Cluny

I
Cluny
 
Die Gründung des Klosters Cluny (910) fiel insofern aus dem damals üblichen Rahmen, als der Gründer, Herzog Wilhelm III. von Aquitanien, auf sämtliche Rechte als Eigenkirchenherr verzichtete und die Abtei dem unmittelbaren Schutz des päpstlichen Stuhles unterstellte. Von Anfang an sahen die Äbte des Klosters eine besondere Aufgabe darin, durch eine Reform der Benediktinerregel und der Liturgie zur geistigen Erneuerung des abendländischen Mönchtums beizutragen und den Verweltlichungstendenzen des Klosterlebens zu begegnen. Mit einer allgemeinen Reformlizenz von 931, die es dem Kloster gestattete, Mönche von anderen Klöstern eintreten zu lassen und auch andere Klöster zur Durchführung der Reform zu übernehmen, schuf Papst Johannes XI. die rechtliche Grundlage dafür, dass sich die Reformgedanken Clunys über die Klostermauern hinaus verbreiten konnten. Weitere päpstliche Privilegien, wie etwa die 998 verliehene Befreiung von Eingriffen des Diözesanbischofs, stärk ten die Position des Klosters, das sich schon bald zum Zentrum einer großen Reformbewe gung entwickelte. Bereits im Laufe des 10. Jahrhunderts wurden zahlreiche weitere Klöster Cluny zugeordnet, deren Vorstände (Prioren) dem Abt von Cluny unterstellt waren. Zum Erfolg des Klosters und der Bewegung trug auch bei, dass die Äbte meist sehr lange amtierten (etwa Abt Hugo von 1049 bis 1109) und die Mönche ihrem Abt strengen Gehorsam erwiesen.
 
Das Verhältnis des Klosters zum Adel der Region (Burgund) war intensiv; davon zeugen zahlreiche Stiftungen, die meist mit der Auflage verbunden waren, dass die Schenker in der Nähe der Klosterkirche bestattet werden sollten. Der Einfluss Clunys blieb vorwiegend auf Frankreich beschränkt, erfasste in seinen Ausläufern aber auch Teile Italiens und Spaniens. In Deutschland konnten sich kluniazensische Gewohnheiten erst relativ spät durchsetzen (Kloster Hirsau um 1070). Während man lange Zeit einen starken unmittelbaren Einfluss der kluniazensischen Bewegung auf die Kirchenreform des 11. Jahrhunderts unterstellte, neigt man heute dazu, diesen Einfluss eher als gering einzuschätzen. Seit dem Beginn des 12. Jahrhunderts ging der Einfluss des Klosters rasch zurück, und noch im 12. Jahrhundert setzte auch der wirtschaftliche Niedergang ein, der durch eine ruinöse Finanzpolitik zusätzlich beschleunigt wurde.
 
II
Cluny
 
[kly'ni], Stadt im Département Saône-et-Loire, im Tal der Grosne, Frankreich, 4 400 Einwohner; Viehmarkt.
 
Cluny verdankt seine Entstehung der Benediktinerabtei Clugny (lateinisch Cluniacum), gegründet 910 von Wilhelm von Aquitanien. Sie war schon unter ihrem ersten Abt, Berno (✝ 927), besonders aber unter den fünf folgenden großen und als Heilige verehrten Äbten Odo (✝ 942), Aymard (✝ 965), Majolus (✝ 994), Odilo (✝ 1048) und Hugo der Große (✝ 1109) Ausgangs- und Mittelpunkt einer umfassenden Erneuerung des Mönchtums, auch der Weltgeistlichen und Laienwelt (kluniazensische Reform).
 
Die mittelalterliche Klosteranlage der Benediktinerabtei wurde in der Französischen Revolution fast völlig zerstört, erhalten blieben einige Abteigebäude (zum Teil Museum), von der Kirche nur der südliche Arm des Hauptquerschiffs mit einem oktogonalen Turm (»Clocher de l'eau bénite«), Kapitelle des Chorumganges und Reste vom Tympanon des Hauptportals; durch Ausgrabungen konnte die Baugeschichte der Kirche rekonstruiert werden: Der erste Bau (Cluny I) stammte aus der Gründungszeit, der zweite (Cluny II), 981 geweiht, war eine dreischiffige, kreuzförmige Basilika mit lang gestrecktem Ostteil (Altarraum, Kapellen, Nebenräume) sowie Vorhalle und Atrium im Westen; er wurde Vorbild für viele benediktinische Kirchen des 11. und 12. Jahrhunderts. Der dritte Bau (Cluny III; 1089 begonnen), eine fünfschiffige Basilika mit 2 Querschiffen und apsidialen Kapellen im Ostteil sowie einer nachträglich ein- und ausgebauten dreischiffigen Vorkirche mit Doppelturmfassade im Westteil, verkörperte in seiner mächtigen Ausdehnung und gewaltigen Höhe gegenüber dem asketischen Charakter von Cluny II den Geist einer höchste Machtansprüche vertretenden Hierarchie; auch diese Anlage, die größte abendländische Kirche des Mittelalters, hatte Nachfolgebauten in Frankreich. - Weitere kunsthistorisch interessante Bauten sind das Palais de Jacques d'Amboise (16. Jahrhundert; jetzt Rathaus) und die Kirche Notre-Dame (nach 1100; später gotisiert).
 
Hier finden Sie in Überblicksartikeln weiterführende Informationen:
 
 
Mönchtum im Abendland: Bete und arbeite
 
Cluny und die »Libertas ecclesiae«
 

Universal-Lexikon. 2012.

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